Was heißt eigentlich "evangelisch" sein?

Eine schwer überschaubare Vielfalt

Einfach ist das nicht zu beantworten. Was „katholisch“ bedeutet, meint man zu wissen: Es geht um eine Kirche mit dem Papst an der Spitze und dem Zentrum im Vatikan, mit beständigen Überzeugungen und Lehrsätzen. 

Aber was heißt „evangelisch“?

 

Eine kaum noch überschaubare Vielfalt steht uns hier vor Augen: Kirchen, Gemeinden und Gemeinschaften mit sehr unterschiedlichen Inhalten und Lehren. 

Die einen lassen unterschiedslos jeden zum Abendmahl zu, die anderen bestehen auf einer persönlichen Anmeldung. 

Die einen stellen Beratungsbescheinigungen aus, die zu einer Abtreibung berechtigen, die anderen halten dies für eine Beihilfe zur Tötung. 

Die einen sehen die Bibel nur als Menschenwort aus alter Zeit, für die anderen ist sie das geschriebene Wort Gottes. 

Die einen segnen und trauen homosexuelle Paare, die anderen bieten Hilfen zur Umkehr von offenkundiger Sünde an. 

Die einen finden Gott auch in anderen Religionen, die anderen sehen in Christus den einzigen Weg zur Wahrheit Gottes und zum ewigen Leben. 

Für die einen ist Jesus nur ein Symbol für die sich hingebende Liebe, für die anderen ist er von Gott leiblich von den Toten auferweckt worden.

 

Alle wollen in Freiheit „evangelisch“ sein, auf einem „Markt der Möglichkeiten“ wie auf den Kirchentagen. Für manchen Christen scheint dieser Markt aber eher ein Sammelsurium der Gegensätze zu sein, inhaltlich nicht miteinander zu vereinbaren, nur zusammengehalten durch das Dach von Institutionen und – im landeskirchlichen Bereich – durch die Einnahmen der Kirchensteuer.

 

Hätte Martin Luther sich das träumen lassen? Auch schon zu seiner Zeit gab es eine Vielfalt reformatorischer Bewegungen und Richtungen. Doch Luther und die anderen Reformatoren vertraten vier grundlegende Bestimmungen, die die „evangelische“ Ausprägung der Christenheit nach wie vor kennzeichnen: 

„allein Christus“, 

„allein die Gnade“, 

„allein der Glaube“, 

„allein die Heilige Schrift“.

Wer diesem vierfachen „allein“ etwas hinzufügen will, ist nicht mehr „evangelisch“. Ob sich eine solche Hinzufügung wie zur Zeit der Reformation auf die römisch-katholische Tradition bezieht oder ob es in der Gegenwart um angeblich feststehende (human)-wissenschaftliche Erkenntnisse geht, die den biblisch begründeten Glauben relativieren, ist zweitrangig. Menschliche Meinungen können die „evangelische“ Wahrheit, das heißt die Wahrheit des biblischen Evangeliums von Jesus Christus, nicht verändern. Was wir zur Seligkeit bei Gott und für unser Leben im Glauben brauchen, hat Gott „ein für allemal“ (Hebräer 9, 26) in Christus offenbart. 

 

Dringend erforderlich wäre es, wenn sich alle – zumindest im Bereich der evangelischen Kirchen – in dieser grundlegenden Frage einig wären. Die „Hauptartikel“ des evangelischen Glaubens (so das Augsburger Bekenntnis von 1530) sollten klar und in den verschiedenen evangelischen Kirchen nicht umstritten sein, während man über geschichtlich gewachsene Traditionen und zweitrangige Themen durchaus unterschiedlicher Meinung sein kann.

 

Wenn Kirchenleitungen nicht willig oder nicht dazu in der Lage sind, Grenzen der evangelischen Kirche zu markieren, fängt das Kirchenschiff an zu schlingern. Evangelische Freiheit heißt nicht Willkür. 

 

Auf der Grundlage der Bibel und des vierfachen „allein…“ der Reformation ist eindeutig: 

Evangelischer Glaube geht auf den Sünder zu, aber segnet nicht die Sünde. Evangelische Verantwortung tritt für das Leben ein, aber stellt keinen Freibrief zur Tötung aus, weder im Bereich der Gentechnik noch bei der Abtreibung noch zur Euthanasie. 

Evangelische Verantwortung achtet die Weisheit der Religionen, aber verkündigt Jesus Christus als den Weg zu Gott, die Wahrheit und das Leben (Johannes 14, 6).

Pfingsten und Trinitatis - was bedeutet das?

Das schwierige Kirchenfest und die höhere Mathematik

 

Pfingsten gehört zwar neben Weihnachten und Ostern zu den drei christlichen Hauptfesten und wird deshalb an zwei Feiertagen hintereinander begangen, bleibt aber mit seiner Bedeutung und seinem biblischen Ursprung für viele Menschen schwer nachzuvollziehen.

Was bedeutet der Geist Gottes, um den es zu Pfingsten geht, der „Heilige Geist“? Wirklich sichtbar ist er nicht – im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte ist bildhaft die Rede von einem gewaltigen Brausen und von Zungen, zerteilt, wie von Feuer (Vers 2-3), die den Jüngern Jesu erschienen.

Bei der Taufe Jesu kommt der Geist Gottes „wie eine Taube“ auf Jesus herab (Markus 1, 10). Deshalb wurde die Taube in der Kirche zum Symbol, zum Zeichen für den Heiligen Geist. Aber grundsätzlich gilt das, was Jesus dem Pharisäer Nikodemus sagt: „Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.“ (Johannes 3, 8).

Der Heilige Geist ist nicht fassbar und nicht sichtbar, aber seine Wirkungen werden zu Pfingsten deutlich: Die Jünger Jesu gehen mitten hinein in die mit Pilgern aus aller Welt überfüllte Stadt Jerusalem und predigen „in anderen Sprachen“ das Evangelium von Jesus Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, „wie der Geist ihnen gab auszusprechen“ (Apostelg. 2, 4). Solch eine Wirkung des Heiligen Geistes brauchen die Christen und die Kirchen heute genauso wie vor 2000 Jahren.

Das erste Pfingsten in Jerusalem nach Jesu Auferstehung und Himmelfahrt wurde zum „Geburtstag“ der christlichen Kirche, und das ist immerhin gut verständlich.

Aber jeder Versuch, den Heiligen Geist zu analysieren oder gar über ihn verfügen zu wollen, damit „Zeichen und Wunder“ geschehen, bleibt zum Scheitern verurteilt.

 

Entsprechendes gilt auch für den Sonntag nach Pfingsten mit dem lateinischen Namen „Trinitatis“ = „Dreieinigkeit“.

Dass der eine Gott uns in drei Personen begegnet als Vater, Sohn und Heiliger Geist und dennoch der eine und einzige Gott bleibt, ist eine höhere Mathematik: 

1 = 3 = 1.

Nach menschlicher Logik und Vernunft ist das nicht nachzuvollziehen. Der Glaube an den Gott, der sich uns in den drei göttlichen Personen offenbart, ist „höher als alle Vernunft“ (Philipper 4, 7).  Wir können nur mit Bildern und Vergleichen versuchen, uns diesem Geheimnis zu nähern.

Das Wasser in seiner chemischen Zusammensetzung kann dabei eine Hilfe sein: Das Wasser-Molekül besteht immer aus H2O, d.h. es besteht aus zwei Atomen Wasserstoff und einem Atom Sauerstoff. Aber die Erscheinungsform des Wassers kann ganz unterschiedlich sein: als Flüssigkeit, als festes gefrorenes Eis oder als gasförmiger Wasserdampf. Immer bleibt es aber Wasser, bestehend aus H2O. Die Chemie des Wassers bleibt dieselbe, aber es begegnet uns in den drei Erscheinungsformen „flüssig, fest und gasförmig“. 

So begegnet uns Gott in seiner trinitarischen Vielfalt in den drei Personen als Vater, Sohn und Heiliger Geist und bleibt doch immer der eine und einzige Herr und Gott.

„O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!“ (Römer 11, 33).

Zum Nachdenken

Anfang

Der Anfang von allem

Kinder können Erwachsenen Löcher in den Bauch fragen. „Warum bin ich da?“ „Durch deine Eltern.“ Warum sind meine Eltern da?“ „Durch deine Großeltern.“ „Warum sind meine Großeltern da? Wie hat überhaupt alles angefangen?“

Eigentlich sind solche Fragen sehr berechtigt, und es ist erstaunlich, dass nur wenige Menschen diese Fragen stellen. Woher kommen wir und warum gibt es diese Welt, warum gibt es überhaupt etwas?

Die Bibel antwortet darauf mit einem einzigen kurzen Satz, dem ersten Satz, der in der Heiligen Schrift zu lesen ist: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ (1. Mose 1, Vers 1)

Treffender kann man den Glauben an den Schöpfer nicht ausdrücken. In diesen wenigen Worten steckt alles Wesentliche. Zunächst einmal dies: Die Welt hatte einen Anfang.

Das war nicht immer eine selbstverständliche Überzeugung. Menschen, die nicht an Gott glauben konnten oder wollten, behaupteten, die Welt und die Materie hätten schon immer existiert, die Materie sei „ewig“ und habe sich, warum auch immer, zu unserer heutigen Welt entwickelt. 

Dagegen steht aber die moderne Wissenschaft mit ihrer Theorie vom „Urknall“ als dem Anfang der Welt. Auch wenn niemand weiß, was der „Urknall“ war, wird der erste Satz der Bibel durch naturwissenschaftliche Erkenntnisse eindrucksvoll bestätigt: Unsere Welt hatte einen Anfang.

 

Die entscheidende Frage lautet nun: Warum gab es einen Anfang, und wer hat ihn verursacht? Für die Bibel ist klar, dass der ewige Gott den Anfang von Raum, Zeit und Materie geschaffen hat und auch die Naturgesetze, die in unserer Welt gelten. 

Wer das nicht glaubt, sucht nach anderen Erklärungen und landet bei dem merkwürdigen Widerspruch, dass unsere Welt, die nach aller gegenwärtigen wissenschaftlichen Einsicht einen Anfang hatte, angeblich immer schon da gewesen sein soll.

Pfiffige Kinder und Konfirmanden stellen an den Glauben gleich die nächste Frage: Wann hat Gott angefangen, wie lange gibt es ihn schon? Vom biblischen Glauben her gesehen hat eine solche Frage keinen Sinn und ist grundsätzlich nicht zu beantworten. Wenn Gott den Anfang gesetzt und die Zeit geschaffen hat, können wir Menschen nicht mit einer „zeitlichen“ Vorstellung hinter diesen Anfang zurückfragen. 

Die Zuversicht von Psalm 31, Vers 16 reicht aus: „Meine Zeit steht in deinen Händen.“

Die Welt, in der wir leben -

- und ihr Beginn

Unsere Welt ist unfassbar groß. Deshalb drückt man Entfernungen im Weltall in Lichtjahren aus – die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt.

In einer Sekunde schafft das Licht rund 300.000 km: die Entfernung Erde – Mond.

In acht Minuten überbrückt das Licht die Entfernung von der Sonne zur Erde.

Unser eigenes Sternensystem/unsere Galaxie „Milchstraße“ hat einen Durchmesser von etwa 100.000 Lichtjahren und umfasst vermutlich 100 Milliarden Sterne.

Das gesamte Weltall beinhaltet nach der Einschätzung der Astrophysiker 100 Milliarden oder mehr Sternensysteme/Galaxien.

 

Vor rund 100 Jahren machte ein Astronom (Edwin Hubble, USA) eine Entdeckung: Die Sternensysteme/Galaxien im Weltall bewegen sich und entfernen sich ständig voneinander – das Weltall dehnt sich aus.

(Nach heutigem Kenntnisstand wird aber auch eine Ausnahme beobachtet: Die Andromeda-Galaxie bewegt sich auf unsere Milchstraßen-Galaxie zu und wird in 4-5 Milliarden Jahren mit ihr verschmelzen).

Nun wird gefragt: Wann und wie hat diese Bewegung der Galaxien voneinander weg angefangen?

Daraus entstand die Theorie vom Urknall (der „Singularität“).

Man rechnet in dieser Theorie die jetzt feststellbare Bewegung der Ausdehnung des Weltalls zurück bis zu einem kompakten Ursprungspunkt des Weltalls, an dem die Bewegung begann.

Sämtliche Materie der Milliarden und Abermilliarden Sterne im Weltall denkt man sich verdichtet und zusammengefasst in einem unmessbar kleinen und extrem heißen Ausgangspunkt. Dieser Ausgangspunkt sämtlicher Materie im Weltall soll nach der Theorie unvorstellbar klein und dicht gewesen sein.

Im vermuteten Urknall soll von diesem extrem verdichteten Ausgangspunkt aus alles Vorhandene rasend schnell (in nur Milliardstel Bruchteilen einer Sekunde) angefangen haben, sich auszudehnen, von vielleicht einer Nadelspitzengröße bis hin zu der riesigen Größe des Weltalls. 

Raum und Zeit fingen erst seit dem Urknall an, zu existieren. Was vor dem Beginn von Raum und Zeit war, bleibt für die Wissenschaft offen.

Der Zeitpunkt des Urknalls wird vor 13,7 – 14,5 Milliarden Jahren angenommen.

Alles, was heute im Weltall vorhanden ist, soll seit diesem Urknall entstanden sein – nach der Theorie der (Makro-)Evolution zufällig und von selbst.

 

In der Urknall-Theorie muss unter anderem ein großes Problem gelöst werden: Bei so einer gewaltigen Ausdehnung des Weltalls müsste man erwarten, dass sich die zuerst vorhandenen Gase und die im Urknall zusammengefasste Materie gleichmäßig im All verteilen und dort ohne besondere Strukturen auflösen. Stattdessen haben sich Sterne und Galaxien und Gruppen von Galaxien in großen Zusammenschlüssen gebildet.

Um das theoretisch möglich zu machen, nimmt man in der Wissenschaft an, dass es eine „dunkle Materie“ und eine „dunkle Energie“ überall im Weltall gibt, die durch ihren Einfluss auf die sichtbare Materie für die Bildung von Sternen und Galaxien verantwortlich ist. 

Die dunkle Materie sei dafür verantwortlich, dass die Galaxien zusammenbleiben, während die dunkle Energie dafür sorgen würde, dass sich das Weltall insgesamt ausdehnt.

Nur 5% des Weltalls bilden nach dieser Annahme die vielen Milliarden von Galaxien und Sternen, deren Licht wir durch Teleskope sehen können, der Rest von 95% sei dunkle Materie (25%) und dunkle Energie (70%), aus denen angeblich die gesamte Welt besteht.

„Dunkel“ bedeutet: nicht beobachtbar, nicht nachweisbar, nur als vermutete Erklärung von Wissenschaftlern behauptet – bisher eine reine Theorie trotz aller Forschungen und Untersuchungen und Bemühungen, sie zu belegen.

 

Die Urknall-Theorie sagt nichts zu der Frage, woher der „Stoff“ für den Urknall kam (was hat geknallt und sich ausgedehnt?) und wer für den Anfang gesorgt hat (wer hat den Urknall verursacht?), bzw. was vor dem Urknall war (es gab „vorher“ keine Zeit, weil Zeit und Raum erst mit dem Urknall begonnen haben).

Der Urknall erklärt nichts, sondern bedeutet eigentlich das Ende aller Erklärungen.

Es gibt wissenschaftliche Beobachtungen und Hinweise, die für die Urknall-Theorie sprechen, und es gibt Beobachtungen und Hinweise, die sie in Frage stellen.

 

In Hebräer 11, Vers 3 im Neuen Testament steht:

Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist, dass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist.

Beweise

Kann man Gott beweisen?

Eigentlich kann man das nicht, denn ein Gott, dessen Dasein Menschen "beweisen" würden, wäre begrenzt auf die Möglichkeiten unseres menschlichen Verstehens. Der Schöpfer des Himmels und der Erde muss aber viel größer sein als das menschliche Verstehen und kann deshalb auch nicht "bewiesen" werden. 

Durch diese Einsicht fehlt dem modernen Menschen die Gewissheit, dass Gott existiert und die Geschicke dieser Welt lenkt, so wie es z.B. für die Menschen des Mittelalters eine selbstverständliche Überzeugung war. Stattdessen verfolgen wir heute fasziniert die Erkenntnisse von Wissenschaft und Forschung, die uns ungeahnte Einblicke in die Natur und den Kosmos geben, die aber auch immer neue Fragen und Rätsel aufwerfen. Gott kommt in der Naturwissenschaft nicht vor, aber er kann auch nicht ausgeschlossen werden - die Frage nach Gott und seinem Handeln wird ausgeklammert und in den Bereich des Glaubens und der persönlichen Überzeugung verwiesen.

Dennoch drängt sich gerade durch neuere naturwissenschaftliche Erkenntnisse die Frage auf, ob es deutliche Hinweise (nicht: Beweise) dafür gibt, dass ein Handeln Gottes in dieser Welt die  überzeugendste Erklärung für viele Tatsachen darstellt.

 

Dies gilt zum Beispiel für die Tatsache des Lebens. Jedes Leben beruht auf drei zentralen Bestandteilen: Materie, Energie und vor allem Information. In jeder Zelle des menschlichen Körpers ist in den DNS-Molekülen eine unvorstellbare Fülle von Informationen vorhanden. Sie sind exakt aufeinander abgestimmt und beinhalten den Plan zum Aufbau und zur Erhaltung eines lebenden Wesens. Woher diese Information kommt, kann kein Mensch erklären.

Sicher und wissenschaftlich erwiesen ist aber, dass jede Information auf einen (intelligenten) Informationsgeber hinweist. Information, wie sie in den Lebewesen vorhanden ist und zur Entstehung des Lebens notwendig ist, kann nicht von selbst aus toter Materie entstehen. Ein intelligenter "Programmierer" oder "Sender" für diese Information ist nach allen Erkenntnissen der Wissenschaft zwingend erforderlich. 

Ist das ein deutlicher Hinweis auf Gott, den Schöpfer? 

"Wer erkennte nicht in dem allen, dass des Herrn Hand das gemacht hat?" (Die Bibel, Buch Hiob, Kap. 12, Vers 9).

Die Auferstehung Jesu Christi

Wie glaubwürdig ist sie?

Phantasie oder Wirklichkeit? 

Die Glaubwürdigkeit der Berichte von der Auferweckung Jesu Christi 

 

Wer berichtet davon, dass Jesus von den Toten auferstanden ist?

  • Die vier Evangelien im Neuen Testament
  • Der Apostel Paulus, vor allem 1. Kor. 15
  • Viele andere Verse im ganzen Neuen Testament
  • Flavius Josephus, ein jüdischer Historiker im 1. Jahrhundert
  • Die „Kirchenväter“ (Bischöfe und Gelehrte) ab dem 1. Jahrhundert
  • Gegner der Christen

 

Es gibt zwei Arten von biblischen Erzählungen

1. Geschichten von der Auffindung des leeren Grabes

2. Geschichten von Begegnungen des auferstandenen Jesus Christus mit seinen Jüngerinnen und Jüngern

Beide Erzähl-Linien bilden die Botschaft von der Auferstehung

 

Einwand:

  • Die Geschichten von den Begegnungen der Jünger mit dem auferstandenen Christus seien Wunschvorstellungen der über seinen Tod verzweifelten Anhänger gewesen, Visionen psychisch angeschlagener Menschen.
  • Dagegen spricht: Wer würde einige Jahre später als Märtyrer für eingebildete Visionen in einen grausamen Tod gehen (z.B. Stephanus, Petrus, viele andere Christen)?

 

Einwand:

  • Die Geschichten vom leeren Grab seien erfunden und ausgedacht worden.
  • Dagegen spricht: Frauen haben als erste das leere Grab gesehen. Sie waren im antiken Judentum vor Gericht nicht zeugnisfähig. Wer die Geschichten hätte erfinden wollen, hätte zuerst von Männern am leeren Grab erzählt und nicht von Frauen.

 

 

Argumente für die Tatsache des leeren Grabes

  • Viele Frauen und Männer werden als Zeugen im NT genannt.
  • Die jüdischen Gegner Jesu in Jerusalem hätten jederzeit den toten Körper im Grab zeigen können – wenn Jesus im Grab geblieben wäre. Aber auch die heftigsten Gegner der Christen haben nie bestritten, dass das Grab leer war.

 

Argumente für die Realität der Begegnungen mit dem Auferstandenen

  • Die Jünger waren ängstlich und verzweifelt, bis sie Jesus nach seiner Auferstehung begegnet sind. Eine andere Erklärung für die Verwandlung der Nachfolger Jesu in mutige Zeugen gibt es nicht. 
  • Unverständnis, Unglauben und Zweifel der Jünger und Jüngerinnen Jesu werden ehrlich und ungeschminkt erzählt. Das spricht für historische Berichte und gegen erfundene Märchen. Zweifel innerhalb des Kreises der Jünger (z.B. Thomas, die Emmaus-Jünger) wurden durch den Auferstandenen selbst überwunden. 

 

Historisch gesehen ist die Auferstehung Jesu Christi das am besten bezeugte Ereignis der Antike, weil es eine so große Zahl von Berichten und Zeugnissen gibt.

  • Die schriftlichen Berichte des Neuen Testamentes über die Begegnungen mit dem auferstandenen Jesus sind

-   zeitlich sehr nahe an den Ereignissen

  • sehr vielfältig und vielstimmig, was gegen eine einheitliche gemeinsame „Erfindung“ dieser Geschichte spricht
  • berufen sich auf Augenzeugen

 

Unterschiede zum jüdischen Auferstehungsglauben in der Zeit des Neuen Testamentes:

  • Die Juden glaubten an die Auferstehung von den Toten erst am Ende der Geschichte und nicht an eine Auferstehung eines begrabenen Menschen in der Geschichte (vgl. Joh. 11, 24).
  • Juden glaubten an eine allgemeine Auferstehung der Menschen und nicht an die Auferstehung einer einzelnen Person (vgl. Daniel 12, 2).

 

Ob Jesus Christus lebt und heute handelt oder nicht, erfahren Menschen dadurch, dass sie ihm im Glauben begegnen.

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“                  (Johannes 20, 29)

Was kommt nach dem Tod ?

Eine schwierige Frage. Wer kann das schon wissen? 

Einige Menschen sagen: Nichts mehr kommt nach dem Tod. Der Augenschein scheint ihnen recht zu geben: Nach spätestens dreißig Jahren werden Gräber neu belegt, die sichtbaren sterblichen Überreste eines Menschen sind zu Erde geworden – oder, falls eine Verbrennung stattgefunden hat, zu Asche.

Andere berufen sich auf die unsichtbare Seele des Menschen und hoffen auf Unsterblichkeit. Fernöstliche Religionen erwarten die Wiedergeburt der menschlichen Seele in einem anderen Körper.

Wieder andere finden Trost in Berichten über Sterbeerlebnisse, in denen von einem überirdisch hellen Licht erzählt wird, das in ein wunderschönes Reich des Friedens und des Glücks hinüberführt.

Die Bibel ist an Spekulationen nicht interessiert. Im Alten Testament wird häufig die Grausamkeit und Härte des Todes geschildert.

Allmählich bricht sich aber in der Bibel eine Hoffnung Bahn, die über den Tod hinausblickt und in Gottes Handeln Zuversicht für den sterblichen Menschen findet. Hiob zum Beispiel spricht es aus in Kap. 19,25-26: „Aber ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und als der letzte wird er über dem Staub sich erheben. Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen“.

Im Neuen Testament wird ein zentrales Ereignis erzählt, das die Grenzen des Todes sprengt: Die Auferweckung des gekreuzigten und gestorbenen Jesus Christus. Weil Gott durch ihn den Tod überwunden hat, vertrauen Christen auf eine neue Welt Gottes nach dem Tod.

In 1. Korinther 15, 20-22 schreibt der Apostel Paulus: „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden“.

Im letzten Buch der Bibel wird Hoffnung für die ganze vergehende Welt ausgesprochen. In der Offenbarung des Johannes Kap. 21, 1+4 steht:
Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde....und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein“.

 

Was kommt nach dem Tod? Für Christen ist die Antwort eindeutig:

Gott lässt uns auch im Tod nicht fallen. Wir bleiben seine Geschöpfe durch den Tod hindurch. Gott handelt an uns und an dieser ganzen Welt in der Auferweckung von den Toten, im Gericht und in seiner  Ewigkeit. Der Glaube an den auferstandenen Jesus Christus schenkt uns diese Hoffnung.

Du sollst nicht lügen!

Gottes Gebot - nach wie vor aktuell

So haben es viele Menschen im Konfirmandenunterricht gelernt: 

„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“ (2. Mose Kap. 20, Vers 16).

In der Reihe der Zehn Gebote gibt uns dieser Satz eine klare Orientierung für das alltägliche Zusammenleben.

Dass Gottes Gebote hoch aktuell sind, zeigen die Ereignisse in der Politik zur Genüge. Wenn alle verantwortlichen Politiker sich an diese Richtlinien Gottes gehalten hätten und halten würden, wäre ihnen und uns allen vieles erspart geblieben.

Im Neuen Testament heißt es im Epheserbrief (Kap. 4, Vers 25+29):

„Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. ... Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören.“

Aus Lügen entsteht kein Segen, sondern Unheil. Lügen zerstört Vertrauen und vergiftet das Zusammenleben.

Das gilt allerdings nicht nur für Politiker (oder Pfarrer), sondern für jeden von uns. Lügen und Betrügen ist genauso falsch, wenn es nicht um Millionenbeträge, sondern um die Euros unseres Alltags geht, um unsere private Bequemlichkeit oder im Beruf um die Ausrede vor dem Vorgesetzten.

Martin Luther schreibt im Kleinen Katechismus:

"Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsern Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren."

Es ist gut, wenn wir alle uns an diese grundlegenden Wahrheiten, die wir einmal gelernt haben, erinnern und uns als Christen daran halten.

Engel - gibt es die?

In der Bibel gibt es die Engel auf jeden Fall – mehr als 300mal werden sie dort erwähnt. Das griechische Wort „angelos“ bedeutet „Bote“. Engel sind also nach der Bibel Boten Gottes, die den Menschen ein Wort oder einen Auftrag Gottes auszurichten haben. Der erste Auftrag der Engel war es nach 1. Mose 3, dem ungehorsamen Menschenpaar Adam und Eva den Zugang zum Paradiesgarten, den sie verlassen mussten, zu verwehren. 

 

Dass Engel den Menschen den Zugang zum himmlischen Paradies zeigen, wird erst im Neuen Testament angedeutet (Lukas 16, 22). 

 

In 1. Mose 28 träumt Joseph von der „Himmelsleiter“, an der Gottes Engel vom Himmel zur Erde gehen, um ihre Aufträge auszuführen. 

Engel loben Gott (Jesaja 6, 1ff), sie können strafen (2. Könige 19, 35), sie verkünden Gottes Wort (Lukas 1, 26ff), sie helfen und stärken Menschen (1. Mose 16) und sie kämpfen gegen das Böse (Offenbarung 12). 

Viele Tausende, „Legionen“ von Engeln stehen Gott zur Verfügung (Matthäus 26, 53).

 

Wie sehen Engel aus? Manche haben Flügel (Jesaja 6), manche weiße Kleider und goldene Gürtel (Offenbarung 15, 6). Manchmal können sie aber auch wie normale Menschen auftreten (1. Mose 18).

 

Es gibt auch Engel, die Gott verlassen haben (Judas 6, 2. Petrus 2, 4). Manche Ausleger sehen in Hesekiel 28, 12ff eine Bildrede auf den Satan als „gefallenen Engel“. Jesus sah den Satan „vom Himmel fallen“ (Lukas 10, 18). Der Satan kann sich verstellen als „Engel des Lichts“ (2. Korinther 11, 14) und so die Menschen täuschen. 

 

Zwei Engel werden in der Bibel mit Namen genannt: Michael (= “wer ist wie Gott“, Offenbarung 12, 7) und Gabriel (= “Gott ist mächtig“, Lukas 1). In den Büchern Tobias und Henoch, die in der evangelischen Kirche nicht zur eigentlichen Bibel zählen, werden noch Rafael, Uriel, Raguel, Saruel    und Remuel mit Namen genannt, so dass man sieben „Erzengel“ zählen konnte.

 

Ein wunderbarer Zuspruch ist in Psalm 91 formuliert und wurde musikalisch in einen schönen Chorsatz umgesetzt: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest“.

 

Engel – gibt es die? Ja sicher, aber nicht als niedliche Dekoration, sondern als Boten Gottes für uns Menschen.

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Warum wir der Bibel vertrauen können

Matthias Hilbert

Gute Gründe, der Bibel zu vertrauen

Und warum die historisch-kritische Theologie nicht überzeugt

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Rezension

Der Autor Matthias Hilbert und die Vertreter der historisch-kritischen Methode an den theologischen Fakultäten der Hochschulen stimmen darin überein, dass die Kenntnisse der biblischen Sprachen, „das Wissen um historische und kulturelle Hintergründe eines biblischen Textes und die Beachtung kontextualer Zusammenhänge nützlich und hilfreich“ sind (S. 9). Aber Hilbert lehnt es ab, einen historisch-kritisch geprägten Exegeten „über den Wahrheitsgehalt und die Zumutbarkeit biblischer Aussagen“ befinden zu lassen (S. 9).

Als Kronzeugen für eine grundsätzliche Kritik an der Universitätstheologie im 20. und 21. Jahrhundert zitiert Hilbert u.a. den Heidelberger Neutestamentler Prof. Dr. Klaus Berger (+2020) und die ehemalige Bultmann-Schülerin Prof. Dr. Eta Linnemann (+2009). Berger schrieb in seinem Buch „Die Bibelfälscher“: „Die historisch-kritische Exegese der letzten 200 Jahre hat alles Porzellan im Haus der Christenheit zerschlagen, bis hin zur letzten Blumenvase“ (S. 8).

Die neutestamentlichen Schriften seien, so Hilbert, wesentlich als Augenzeugenberichte zuverlässig und würden reale Geschehnisse beschreiben. Dagegen sei die historisch-kritische Methode geprägt von dem Prinzip „Skepsis“ im Blick auf die Verfasserschaft der neutestamentlichen Schriften, den Zweifel an der Wahrheit aller übernatürlichen Geschehnisse und die Echtheit der Selbstaussagen und Reden Jesu (S. 19). 

Hilbert zitiert zahlreiche Wissenschaftler, die diese Grundlagen der historisch-kritischen Methode in Frage stellen, bis hin zu Josef Ratzinger, dem deutschen Papst Benedikt XVI. Hilbert bestreitet nicht, dass die biblischen Bücher von Menschen verfasst worden sind, aber er hält es für nicht angemessen, die Bibel in Menschenwort und Gotteswort aufzuspalten, denn sie ist beides zugleich. Weil Menschen unter der Leitung, der Inspiration, des Heiligen Geistes die biblischen Bücher aufgeschrieben haben, ist Gottes Wort vom schriftlich überlieferten Menschenwort grundsätzlich nicht zu trennen (S. 29f). Zwar glaubt ein Christ nicht an die Bibel, sondern an Jesus Christus. Jedoch vertraut er dem Zeugnis der biblischen Autoren, weil es in einer „autoritativen und zeitlos gültigen Weise Gottes Wort darstellt“ (S. 39).

Dieses grundlegende Vertrauen in die Bedeutung und die Zuverlässigkeit der biblischen Schriften teilt die historisch-kritische Theologie nicht.

Hilbert befasst sich im Folgenden mit einzelnen Themen des christlichen Glaubens und versucht, aufgrund des Zeugnisses der Bibel Antworten zu finden. Das Spektrum reicht von der Frage der Allversöhnung über die Historizität der lukanischen Weihnachtsgeschichte bis zur Realität der leiblichen Auferweckung Jesu Christi. Hilbert trägt interessante Zitate verschiedener Theologen und Historiker zusammen, die Kritik formulieren an einer prinzipiellen Bibelkritik. Stellvertretend für viele andere sei hier der moderne „Kirchenvater“ Karl Barth zitiert, der zur Auferstehung Jesu Christi schrieb: „Wenn die Christenheit gewiss nicht an das leere Grab, sondern an den lebendigen Jesus glaubt, so bedeutet das nicht, dass man an den lebendigen Jesus glauben und das leere Grab leugnen kann“ (S. 63).

Auch an der Heilsbedeutung des Kreuzestodes Jesu hält Hilbert mit den Deutungskategorien des Neuen Testamentes fest. Moderne Unterstellungen, hier würde ein Rachegott beschrieben, der nach Blut dürste und seinen Sohn opfere, haben nach seiner Auffassung keinerlei Anhalt am biblischen Zeugnis.

In einem zweiten Hauptteil geht der Autor auf Themen ein, die sich im Zusammenhang des Alten Testamentes stellen, vor allem im Blick auf die Schöpfung und die Frage nach dem Ursprung der Welt und des Lebens. Die gängige kosmologische Urknalltheorie der Astrophysiker wird von ihm zutreffend zusammengefasst. Wenn man allerdings im Sinne einer Evolution als Welterklärung „glaubt“, dass „das Nichts Materie und die unbelebte, gefühllose Materie wiederum aus sich heraus Leben hervorgebracht habe“ (S. 86), verfällt man einem „unlogischen, ja magischen Denken“ (S. 87). 

Demgegenüber sammelt Hilbert Indizien für die Existenz eines Schöpfers. Dies bezieht sich ebenso auf die erkennbaren Strukturen des Mikrokosmos und auf die Entstehung des Lebens auf der Erde bis hin zur Komplexität auch nur einer einzelnen lebenden Zelle, die nachdrücklich gegen eine zufällige Entstehung durch eine sich selbst organisierende Evolution und für das aktive Handeln eines Schöpfers sprechen.

Die biblischen Schöpfungserzählungen in 1. Mose 1 und 2 will Hilbert ernstnehmen, ohne den Leser auf eine bestimmte Auslegungstradition festzulegen. Die komplexen Einzelheiten der Schöpfungsakte Gottes bleiben für einen Leser der Bibel im Verborgenen (S. 108). 

Biblische Aussagen über die Sünde führen nach Hilbert zu einer Grundsatzkritik an den heutigen Kirchen: „Die Relativierung des Wortes Gottes durch die historisch-kritische Theologie hat zur Folge, dass auch eine Relativierung der Gebote und der biblischen Lehre von der Sünde stattgefunden hat. Schlimmer noch: Statt sich an der Autorität der Heiligen Schrift zu orientieren, orientiert sich die Kirche heute vielfach an dem gesellschaftlichen Mainstream und ihren (sic!) Parolen“ (S. 118f).

Den letzteren größeren Abschnitt des Buches bildet der Teil „Biblischer Realismus über das Volk Israel“ (S. 126ff).

Hilbert fasst die jahrtausendealte jüdische Geschichte zusammen und stellt die Entwicklung bis zur Bildung des Staates Israel im Jahr 1948 dar, ebenso die danach folgenden Kriege im Nahen Osten, die Friedensbemühungen um einen Ausgleich mit den Palästinensern und schließlich die Katastrophe des Terrorüberfalls der Hamas am 7. Oktober 2023. 

Bei der Frage nach den Ursachen des weltweit wieder aufflammenden Judenhasses findet der Autor keine rationale Erklärung (S. 158). Theologisch deutet er ihn als „Hass gegen Gott, gegen sein sichtbares Handeln in der Welt“ (ebd.). Das kann allerdings nicht bedeuten, dass eine Kritik an der Politik des Staates Israel nicht erlaubt wäre (S. 160). 

Das Buch schließt mit Bemerkungen zur biblischen Eschatologie und sieht zusammenfassend die Folgen des Einflusses der historisch-kritischen Theologie in allen kirchlichen Bereichen so, dass – zumindest in vielen westlichen Kirchen und vor allem in Deutschland - „die Autorität der Bibel zu Fragen der Lehre und der Praxis des Glaubens de facto aufgegeben worden“ ist. „Damit sind der Kirche Richtschnur, Korrektur und geistlicher Kompass abhandengekommen. Anstatt darüber zu predigen, wie der Mensch zu Gott zurückfinden kann, und anstatt die Christen in ihrem Glauben und Glaubensleben zu stärken, werden häufig gesellschaftspolitische Statements abgegeben, die lediglich die Privatmeinung derer widerspiegeln, die sie äußern, aber mit dem eigentlichen Lehr- und Verkündigungsauftrag der Kirche und dem Alltag ihrer Mitglieder herzlich wenig zu tun haben“ (S. 168f).

Hilbert will mit seinem Buch „gute Gründe“ für die Glaubwürdigkeit der Bibel vorlegen und somit im besten Fall Glaubenshilfe leisten und das Vertrauen in Gottes Wort stärken (S. 174). Dazu hat er viel Bedenkenswertes zusammengetragen und eine große Zahl interessanter Zitate von Wissenschaftlern, Dichtern und Denkern angeführt. 

Offen bleibt, ob er angesichts seiner grundsätzlichen Kritik an der historisch-kritischen Methode und ihrer Denkvoraussetzungen eine Alternative für die heutige Theologie und Kirche sieht. 

Eine „biblisch-historische“ Methode wäre m.E. vorstellbar, die begründete wissenschaftliche Erkenntnisse zum Beispiel aus der Geschichtswissenschaft und der Archäologie aufnimmt und sie mit der Auslegung und der Verkündigung der Bibel verbindet. 

Es gibt solche Ansätze, in der akademischen Theologie zwar nicht flächendeckend, aber bei einzelnen Theologieprofessoren und ihren Veröffentlichungen. Ob sie allerdings in den evangelischen Landeskirchen und in der theologischen Forschung und Lehre prägend werden oder sich durchsetzen können, wird die Zukunft zeigen.

Aktuell sieht es nicht danach aus. Die durch die historisch-kritische Weltanschauung geprägten evangelischen Landeskirchen und die theologischen Fakultäten befinden sich in einer stetigen Abwärtsbewegung.

Wer einen biblisch orientierten Gemeindeaufbau für wesentlich und wünschenswert hält, muss sich um Alternativen zu einer Monopolstellung der historisch-kritischen Theologie bemühen. 

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